philosophie


Der aus dem Griechischen stammende Begriff Philosophie meint wörtlich übersetzt die Liebe zur Weisheit und beschrieb ursprünglich eine Denktradition, die durch Hinterfragen die Vermehrung des (eigenen) Wissens zum Ziel hatte. Im Laufe der Geschichte wurde daraus allmählich ein Synonym für verschiedenste Weltanschauungen, bevor er aktuell, vor allem im wirtschaftlichen Kontext, als Überbegriff für intentionale Strategien und Konzepte Anwendung fand. Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen nun meine Philosophie darlegen, indem ich versuche, dieses begriffliche Spektrum zu integrieren.

 

Meine Philosophie ist ebenso wie meine Persönlichkeit ein Produkt meines erinnerten Erlebens. Man könnte also sagen, dass meine Philosophie meiner Persönlichkeit entspringt. Sie beeinflusst, die Aufmerksamkeit lenkend, mein Bewusstsein und dadurch mein Handeln. Meine individuelle (Lebens-)Philosophie hat demnach, als Produkt meines einem ständigen Wandel unterworfenen erinnerten Erlebens, nur für den Augenblick Bestand. Ansonsten aber, ist sie in Abhängigkeit meiner sich entwickelnden Biografie einem stetigen Wandel unterworfen. Wenn Sie also meine Philosophie verstehen wollen, dann werden Sie nicht umhin kommen, sich mit meiner Biografie auseinander zu setzen, zumindest aber mit einigen prägenden Erinnerungen.

 

Nach meinem Ausscheiden bei der Polizei (1994) war ich sowohl psychisch als auch physisch stark angeschlagen, was meine chronische Grunderkrankung nachhaltig verschlechterte. Ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte und obwohl ich wusste, dass ich in absehbarer Zeit eine Entscheidung würde treffen müssen, war ich dazu nicht in der Lage. Vollkommen ausgebrannt, empfand ich alles was ich tat als vollkommen sinnlos. Ich war einfach nicht mehr davon überzeugt, erfolgreich handeln zu können. Zurück in meinen alten Job als technischer Zeichner konnte ich nicht, da mittlerweile ein CAD-System meine Arbeit tat. Zu resignieren allerdings verboten mir meine Erinnerungen an den Zivildienst, den ich als sehr prägend und sinnstiftend empfunden habe. Also brachte ich, da ich von etwas leben musste, für eine befreundete Familie, die mehrere Firmen betrieb und aufgrund dessen kaum Zeit hatte, deren brachliegenden Bauernhof wieder in Ordnung und kümmerte mich um "meine (zahlreichen) Geschwister". Ich setzte mich intensiv mit dem Buddhismus auseinander und tat, was der Dalai Lama in solchen Fällen rät: schwere körperliche Arbeit an der frischen Luft.

 

Als ich den ganzen Tag alleine auf den Feldern und in den Obstplantagen unterwegs war, dachte ich fortwährend über drei Fragen nach:

Was kann ich richtig gut?

WAS MACHT MICH GLÜCKLICH UND ZUFRIEDEN?

WELCHE KONSEQUENZEN ERGEBEN SICH DARAUS?

Bereits nach kurzer Zeit ging es mir zusehends besser und nach ein paar Wochen ergab sich beinahe alles wie von selbst. Kontemplation und Reflexion entzerrte meine Gedanken und ich begann einen roten Faden zu erkennen, der sich, bislang kaum wahrgenommen, durch mein Leben zog. Als sinnhaft empfand ich mein Leben immer dann, wenn ich mit Menschen arbeiten und so einen Beitrag zu ihrem Wohlergehen leisten konnte. Egal ob als Klassensprecher, als Zivi, im Rahmen meiner freiwilligen Sozialarbeit oder als Hundertschaftssprecher bei der Polizei.

 

Retrospektiv fiel mir ausserdem auf, dass immer, wenn es nicht mehr weiterzugehen schien, Menschen in mein Leben getreten sind, die ihrerseits mir geholfen haben. Diesen Menschen und der scheinbar einfachen Erkenntnis, dass man alles, was man gibt auch wieder zurückbekommt, verdanke ich alles. Aus einem lausigen Schüler wurde so ein guter Student, aus dem Studenten wurde ein bisweilen unorthodoxer Sozialpädagoge, der sogar fachfremd in der Psychologie promovieren durfte. Dieser Sozialpädagoge hat heute das Glück, als Professor seiner Berufung nachgehen zu können, der Arbeit mit und für Menschen.

 

All diese Entwicklungen freuen mich sehr, ein Grund stolz zu sein allerdings, sind sie keinesfalls. Stolz bin ich z.B. darauf, wie mich mein Doktorvater sieht: Er stellte mich bei meiner Defensio Dissertationis seinen renommierten FachkollegInnen als "Fundamentalhumanist" vor, mit dem "Diskussionen nur dann Sinn machen, wenn dabei der Mensch im Mittelpunkt steht". Die Erinnerung daran, die Gewissheit, dass Mitgefühl das Menschsein ausmacht, das Privileg und die gleichzeitige Verpflichtung, als Professor Wissen schaffen zu können, das anderen Menschen vielleicht nützlich sein kann, machen meine Persönlichkeit aus und prägen meine Philosophie, denn:

"Man muß sich gegenseitig helfen, das ist ein Naturgesetz!"